Archiv für Februar 2012

Meppen: Nazis aus Rockpalast vertrieben

Am Samstag, 11.02.2012 wurden im RockPalast in Meppen mehrere Nazis durch das entschlossene Auftreten der Gäste und lautem „Nazis Raus!“ Gerufe aus dem Palast vertrieben.

Es waren etwa zehn Nazis anwesend, die mehrere Gäste beleidigten und anpöbelten. Nach mehrmaliger Aufforderung seitens der Gäste wurde dann vom Betreiber des Rockpalastes die Polizei verständigt. Die kam, nahm Personalien von den Nazis auf und fuhr dann wieder weg. Die Nazis blieben aber weiterhin im Palast und pöbelten weiter die Gäste an.

Es bildete sich langsam eine Menschenmenge um die Nazis bzw. den Schauplatz und mehrere Leute fingen an, die Nazis verbal zu attackieren. Ein Nazi zeigte einen „Hitlergruß“, woraufhin der DJ direkt die Musik ausschaltete und wiederum die Polizei rief. Der Betreiber des Rockpalastes ging ans Mikro und forderte die Nazis auf, den Palast zu verlassen, woraufhin sich drei Nazis gleich hinsetzten, um dort bleiben zu können. Diese wurden dann aber auch von mehreren Gästen aufgefordert zu gehen. Die Nazis wurden dann, unter lautem „Nazis Raus!“ Gerufe, von der Polizei hinausbegleitet.

Wir begrüßen es, dass im Rockpalast, in dem sich seit Jahren Nazis treffen und auch vom Betreiber immer geduldet wurden, den Nazis endlich einmal etwas entgegengesetzt wurde. Wir hoffen, dass dies erst der Anfang war, und dass die Nazis in Zukunft auch vom Betreiber nicht mehr im Palast geduldet werden, auch wenn das dieses Mal lediglich auf Drängen der Gäste geschah.

Der Vorfall im Rockpalast ist ein gutes Beispiel, dass es möglich ist, den Nazis entgegen zu treten und diese auch gemeinsam hinausbefördern zu können, wenn die Leute nicht nur still in der Ecke sitzen, sondern aktiv werden, sich gegen die Nazis zusammenschließen und gegebenenfalls auch Druck auf die Betreiber/-innen machen.

Das wollen wir öfter sehen! Am besten immer und überall, wo die Nazis auftauchen.

Lingen: Neofaschistinnen vor Gericht

Da die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim und die lokale Presse oftmals nicht über neonazistische Umtriebe berichten oder Übergriffe von Neonazis zu Kneipenschlägereien umdichten, wollen wir die Berichterstattung über eben diese Aktivitäten der lokalen Naziszene selbst in die Hand nehmen und in unsere Kampagne mit einbinden.

Die Lingener Tagespost war sich beispielsweise nicht zu schade dafür, den Pressebericht der Polizei zum letzten Altstadtfest kommentarlos abzudrucken und keinerlei eigene Recherche zu betreiben. So konnte in dieser Berichterstattung gelesen werden, dass die „Linken“ die Schlägerei angefangen hätten. Davon, dass Neonazis im Vorfeld über Facebook Übergriffe auf „Zecken“ und „[da]mit diese scheiße ein für alle mal aufhört“ angekündigt hatten, wurde nicht berichtet.

Dass die neonazistische Szene in Lingen und Umgebung eine Affinität zu Gewalt hat, haben die Neonazis oft genug unter Beweis gestellt. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen mit diesen und zu Übergriffen auf MigrantInnen und AntifaschistInnen. Wegen Bedrohungen seitens der Nazis können sich die Opfer nicht immer zu Anzeigen gegen die TäterInnen durchringen, sodass ein Teil der Übergriffe gar nicht erst in öffentlichen Statistiken als rechte Übergriffe auftauchen. Dieses Verhalten ist allerdings nicht immer der Fall.

Am 26.01.2012 standen dann doch mal wieder zwei Neofaschistinnen vor dem Amtsgericht Lingen. Die Lingener Tagespost (LT) berichtete zwar über dieses Verfahren, erwähnte aber in keinem Wort, dass es sich um Neonazis gehandelt hat. Auch der Richter sprach nur von einem „Zickenkrieg“. Stefanie F. aus Emsbüren sowie Monika W. aus Ochtrup wurde vorgeworfen, dass sie am 01.06.2011 in Emsbüren auf einem Schützenfest eine gefährliche Körperverletzung sowie eine versuchte gefährliche Körperverletzung begangen haben sollen.

An diesem Abend waren etwa ein dutzend Neonazis aus dem Emsland, der Grafschaft Bentheim sowie aus dem Landkreis Steinfurt auf diesem Schützenfest unterwegs. Schon bevor es zu den Übergriffen gegenüber zwei sechzehnjährigen Mädchen kam, beleidigten die Neonazis schon andere BesucherInnen. Die Provokationen, wegen denen es zu den Übergriffen gekommen sein soll, sollen laut des Presseberichts der LT jedoch von den beiden Mädchen ausgegangen sein. Daraufhin gerieten die beiden angeklagten Frauen in Rage und versuchten die Mädchen zu schlagen, woraufhin eines der Mädchen zu Boden ging und Monika W. dieser ins Gesicht getreten haben soll. Stefanie F. hingegen versuchte mit einer Schnapsflasche eines der Mädchen zu treffen.

Beide Verfahren wurden jedoch eingestellt. Stefanie F. muss eine Geldstrafe von 200 Euro zahlen und Monika W. kommt, obwohl sie auf Bewährung ist -sie soll letztes Jahr einer Person in Lingen ein Bierglas ins Gesicht geworfen haben- gänzlich davon.

Gerade solche Gerichtsurteile tragen dazu bei, dass Neonazis weiterhin Übergriffe auf andere Menschen ausüben können. Sie haben schließlich rein juristisch kaum etwas zu befürchten.

Nazis raus aus der Anonymität!
Rechte Aktivitäten öffentlich machen!

Presseartikel: „Partyspaß im Altkreis Lingen endete mit handfestem Streit unter Frauen“

Antifaschistischer Stadtspaziergang

Am Samstag, dem 11.2.2012 haben wir unseren ersten „Antifaschistischen Stadtspaziergang“ in Lingen durchgeführt.

Mit diesem Stadtspaziergang wollten wir in der Innenstadt Präsenz zeigen und damit den Neonazis klar machen, dass wir deren Übergriffe nicht tolerieren. Für einen Abend wollten wir den Nazis einen Teil des öffentlichen Raums nehmen und diesen mit antifaschistischem Inhalt füllen.

Schon am Vorabend des Spaziergangs hatten wir die Kneipen und die Döner- und Imbissläden in der Innenstadt besucht, um die „Keinen Platz für Nazis“-Kampagne vorzustellen und unsere Flugblätter dort auszulegen. In einem Anschreiben wurden die Betreiber/-innen darüber hinaus dazu aufgefordert, die Nazis nicht mehr zu bedienen und ihr Hausrecht dazu zu nutzen, die Nazis vor die Tür zu setzen. Die Reaktionen darauf waren bis auf wenige Ausnahmen durchweg positiv.

So fanden sich am Samstag Abend um 21:00 Uhr etwa 30 zum Teil verkleidete Menschen auf dem Lingener Marktplatz ein, wobei die Verkleidungen zum einen zur Auflockerung der Aktion beitragen sollte, zum anderen aber auch um sich vor fotografierenden Nazis zu schützen. Flugblätter wurden verteilt, es gab Kaffee, Kakao und Kuchen, die Stimmung war trotz der frostigen Temperaturen bei allen Beteiligten gut und wir erhielten auch hier viele positive und aufmunternde Reaktionen.

Lediglich die Polizei verstand offenbar keinen Spaß. Nachdem einige Beamte in Streifenwagen und in Zivil die Aktion zunächst lediglich im vorbeifahren begutachtet hatten, fuhr schließlich ein einzelner Polizist vor und versuchte, Personalien aufzunehmen. Er forderte die Anwesenden schließlich dazu auf, den Platz zu verlassen und die – von uns bewusst nicht angemeldete Aktion – zu beenden. Um dies durchzusetzen fiel ihm offenbar nichts anderes ein, als unsere Flugblätter zu klauen. Bei der „Konfiszierung“ des Materials konnte er sich jedoch nicht lange auf den Beinen halten und stürzte nach einer schwungvollen Umdrehung zu Boden. Sein Diebesgut konnte er jedoch leider sicher in seinem Streifenwagen verstauen. Auf diese Weise unserer Materialien beraubt, führten wir daraufhin noch einen Ortswechsel durch, beendeten dann aber bald darauf die Aktion.

Einmal mehr hat sich die Polizei am Samstag dadurch hervorgetan, antifaschistische Aktionen zu behindern und dadurch den Nazis in die Hände zu spielen. Wir lassen uns von solchen Polizeiaktionen natürlich nicht beirren und werden selbstverständlich die „Keinen Platz für Nazis“-Kampagne weiter vorantreiben und unsere Aktionen für ein nazifreies Lingen fortsetzen.

Keinen Platz für Nazis – in Lingen und anderswo!

Mit der Kampagne „Keinen Platz für Nazis“ richten wir uns gegen die zunehmenden Neonazi-Aktivitäten in Lingen und Umgebung.

Als ersten Schritt richten wir dabei unseren Blick auf die Situation in der Lingener Innenstadt. Gerade im Innenstadtbereich bewegen sich Neonazis frei von Kneipe zu Kneipe ohne nennenswerten Widerstand. Innerhalb und außerhalb dieser Kneipen versuchen die Neonazis alle fernzuhalten, die nicht in ihr Weltbild fallen, z.B. MigrantInnen oder nicht-rechte Personen. Dieses mündet oftmals in verbalen Attacken sowie in gewalttätigen Übergriffen.

Zum Auftakt unserer Kampagne wenden wir uns unter anderem an die Betreiber/-innen der Kneipen, Gaststätten und Diskotheken in Lingen. Wir fordern diese dazu auf, die Nazis nicht mehr hereinzulassen oder zu bedienen, und so im Interesse aller Gäste deutlich Flagge gegen Rassismus und Intoleranz zu zeigen. Dies soll nach Möglichkeit auch durch Aufkleber und ausgelegte Flugblätter nach außen hin kommuniziert werden, so dass alle potenziellen Gäste gleich wissen, dass sie in den jeweiligen Lokalen nicht mit der Belästigung oder Bedrohung durch Nazis rechnen müssen. Und natürlich sollen die Nazis selbst auch merken, dass sie nicht erwünscht sind und sich nicht mehr überall frei und ungestört bewegen und agieren können.

Doch natürlich geht es nicht um die Gaststättenbetreiber/-innen allein. Wir alle sind gefragt, wenn es darum geht, den Nazis den öffentlichen Raum streitig zu machen und ihnen klar zu machen, dass wir uns ihre rassistische und menschenverachtende Einstellung, ihre Bedrohnungen und Pöbeleien weder in den Kneipen noch anderswo länger gefallen lassen.

Antifaschist /-innen aus Lingen und Umgebung