Lingen: Neofaschistinnen vor Gericht

Da die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim und die lokale Presse oftmals nicht über neonazistische Umtriebe berichten oder Übergriffe von Neonazis zu Kneipenschlägereien umdichten, wollen wir die Berichterstattung über eben diese Aktivitäten der lokalen Naziszene selbst in die Hand nehmen und in unsere Kampagne mit einbinden.

Die Lingener Tagespost war sich beispielsweise nicht zu schade dafür, den Pressebericht der Polizei zum letzten Altstadtfest kommentarlos abzudrucken und keinerlei eigene Recherche zu betreiben. So konnte in dieser Berichterstattung gelesen werden, dass die „Linken“ die Schlägerei angefangen hätten. Davon, dass Neonazis im Vorfeld über Facebook Übergriffe auf „Zecken“ und „[da]mit diese scheiße ein für alle mal aufhört“ angekündigt hatten, wurde nicht berichtet.

Dass die neonazistische Szene in Lingen und Umgebung eine Affinität zu Gewalt hat, haben die Neonazis oft genug unter Beweis gestellt. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen mit diesen und zu Übergriffen auf MigrantInnen und AntifaschistInnen. Wegen Bedrohungen seitens der Nazis können sich die Opfer nicht immer zu Anzeigen gegen die TäterInnen durchringen, sodass ein Teil der Übergriffe gar nicht erst in öffentlichen Statistiken als rechte Übergriffe auftauchen. Dieses Verhalten ist allerdings nicht immer der Fall.

Am 26.01.2012 standen dann doch mal wieder zwei Neofaschistinnen vor dem Amtsgericht Lingen. Die Lingener Tagespost (LT) berichtete zwar über dieses Verfahren, erwähnte aber in keinem Wort, dass es sich um Neonazis gehandelt hat. Auch der Richter sprach nur von einem „Zickenkrieg“. Stefanie F. aus Emsbüren sowie Monika W. aus Ochtrup wurde vorgeworfen, dass sie am 01.06.2011 in Emsbüren auf einem Schützenfest eine gefährliche Körperverletzung sowie eine versuchte gefährliche Körperverletzung begangen haben sollen.

An diesem Abend waren etwa ein dutzend Neonazis aus dem Emsland, der Grafschaft Bentheim sowie aus dem Landkreis Steinfurt auf diesem Schützenfest unterwegs. Schon bevor es zu den Übergriffen gegenüber zwei sechzehnjährigen Mädchen kam, beleidigten die Neonazis schon andere BesucherInnen. Die Provokationen, wegen denen es zu den Übergriffen gekommen sein soll, sollen laut des Presseberichts der LT jedoch von den beiden Mädchen ausgegangen sein. Daraufhin gerieten die beiden angeklagten Frauen in Rage und versuchten die Mädchen zu schlagen, woraufhin eines der Mädchen zu Boden ging und Monika W. dieser ins Gesicht getreten haben soll. Stefanie F. hingegen versuchte mit einer Schnapsflasche eines der Mädchen zu treffen.

Beide Verfahren wurden jedoch eingestellt. Stefanie F. muss eine Geldstrafe von 200 Euro zahlen und Monika W. kommt, obwohl sie auf Bewährung ist -sie soll letztes Jahr einer Person in Lingen ein Bierglas ins Gesicht geworfen haben- gänzlich davon.

Gerade solche Gerichtsurteile tragen dazu bei, dass Neonazis weiterhin Übergriffe auf andere Menschen ausüben können. Sie haben schließlich rein juristisch kaum etwas zu befürchten.

Nazis raus aus der Anonymität!
Rechte Aktivitäten öffentlich machen!

Presseartikel: „Partyspaß im Altkreis Lingen endete mit handfestem Streit unter Frauen“