Archiv für März 2012

Emsländische Neonazis beim Aufmarsch in Münster

Geschützt von tausenden PolizistInnen marschierten am Samstag, den 3. März 2012, etwa 300 Neonazis durch das Rumphorstviertel in Münster. Die Polizei setzte an diesem Tag alles daran, den Neonazis den Weg freizuräumen. Viele GegendemonstrantInnen wurden durch Pfefferspray oder den Einsatz von Polizeiknüppeln verletzt. Ein Gegendemonstrant wurde von den BeamtInnen in grün so schwer zusammengeschlagen, dass dieser über mehrere Stunden das Bewusstsein verlor und auf die Intensivstation musste. Mittlerweile geht es der betroffenen Person den Umständen entsprechend gut.

Bei dem Neonaziaufmarsch beteiligten sich auch mindestens zwei emsländische Neonazis. Zum einen der zur „Kameradschaft Emsland“ gehörende, 31-jährige Thomas S. aus Emsbüren, zum anderen der erst kürzlich nach Lingen gezogene, 23-jährige Andreas K.

Die Beiden reihten sich hinter einem Mobilisierungstransparent auf, welches zum so genannten „Tag der deutschen Zukunft“ am 2. Juni 2012 in Hamburg
aufrief.

Emsländische Neonazis in Münster
Links: Thomas S., rechts: Andreas K. (Quelle: http://lfa.blogsport.de/)

Auf die Parole, wann es denn endlich wieder einen „nationalen Sozialismus“ geben sollte, entgegnete Thomas S. mit vor Stolz geschwellter Brust ein „Jetzt, jetzt, jetzt!“. Wie S. diesen „nationale Sozialismus“ durchsetzten will, hat er schon oft genug gezeigt: mit Gewalt gegenüber allen Personen, die nicht in sein Weltbild passen. Nicht umsonst wurde S. am 20. Januar 2011 vom Amtsgericht Lingen zu einer Haftstrafe von fünf Monaten, die zu vier Jahren Bewährung ausgesetzt wurden, wegen Körperverletzung und zeigen des Hitlergrußes verurteilt. Damals fragte man sich, wie es sein kann, dass jemand wie S., der schon vier Mal vorher wegen Körperverletzung verurteilt wurde und unter Bewährung stand, mit so einer milden Strafe davon kommen konnte. Geändert hat sich Thomas S. bis heute nicht. So war S. bei den Übergriffen auf dem Altstadtfest im letzten Jahr immer vorne mit dabei, wenn es darum ging, AntifaschistInnen anzugreifen oder schlafenden Personen Pfefferspray ins Gesicht zu sprühen.

Dem gelernten Bäcker Andreas K. schien es hingegen auf dem Aufmarsch gar nicht so gut zu gefallen, da er immer wieder versuchte, sich unter seinem grauen Kapuzenpullover und hinter seinem Schal zu verstecken. Vielleicht war es ihm aber auch einfach nur zu kalt.
K., der eigentlich aus Bad Bentheim kommt und wegen seiner Arbeitsstelle in Haselünne nach Lingen gezogen ist, hatte schon vorher Kontakte zur emsländischen Neonaziszene. So ist es nicht verwunderlich, dass K. mit eben diesen u.a. zum jährlich stattfindenden Nazifestival „Rock für Deutschland“ nach Gera fährt oder immer mal wieder mit diesen feiern geht und dabei andere Menschen anpöbelt.

Der Neonaziaufmarsch konnte nicht verhindert, sondern nur gestört werden. Dies war aber nur durch einen brutalen Polizeieinsatz, der mehrere Verletzte und einen Schwerverletzten forderte, möglich.

Lingener Neonazi wegen Aufkleberaktion verurteilt

Ende August, Anfang September des letzten Jahres wurden in Lingen Aufkleber der so genannten „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei/Auslands- und Aufbauorganisation“ (kurz NSDAP/AO) an Laternen, Zigarettenautomaten und Häusern geklebt. Auf den Aufklebern waren neben der Anschrift der Organisation in Lincoln/USA auch Parolen wie „Rotfront verrecke!“, „NS-Verbot aufheben!“ oder „Wir sind wieder da!“ zu lesen. Ebenso prangte ein Hakenkreuz auf den Aufklebern.

Auf Grund dieser Aufkleberaktion gab es schon am 08.12.2011 eine Gerichtsverhandlung beim Amtsgericht Lingen gegen den 37-jährigen Andreas K. Ihm wurde vorgeworfen eben diese Aufkleber mit anderen Personen, welche nicht ermittelt werden konnten, verklebt und somit die Straftat „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ begangen zu haben. Die Straftat findet sich im Strafgesetzbuch im Paragraphen 86a und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft werden.

Bei der Verhandlung im Dezember wurde K. zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt. Allerdings reichte der Angeklagte Berufung gegen das Urteil ein, sodass es am 27.02.2012 vor dem Landgericht erneut verhandelt werden sollte. Jedoch kam es nicht soweit. Der Angeklagte erschien erst gar nicht vor Gericht, sodass der zuständige Richter die Berufung des Angeklagten zurückwies und das bestehende Urteil jetzt rechtskräftig geworden ist.